Preisfehler im Onlineshop: Wie sieht Euer Recht bei Preisfehlern aus?

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André
Was genau ist ein Preisfehler ?

Was genau ist ein Preisfehler ?

Wer hat schon einmal einen Preisfehler im Onlineshop gefunden und das Produkt bestellt? Wie sieht Euer Recht bei Preisfehlern aus? Jeder aufmerksame Leser unseres Schnäppchenblogs wird sie sicherlich kennen: Preisfehler Angebote. Auch wenn in letzter Zeit immer seltener solche Deals bei Amazon und Co. auftauchen, so schleichen sie sich doch noch hin und wieder bei den verschiedenen Onlineshops ein.

Wir haben seit bestehen unserer Seite über unzählige solcher Fehler berichtet und immer wieder stand die alles entscheidende Frage im Raum: „Muss der Händler liefern“? Nun möchten wir hier endlich mal ein wenig Licht ins Dunkel bringen und mit den wichtigsten Mythen aufräumen.

Über welche Themen berichten wir in diesem Artikel?

Was ist überhaupt ein Preisfehler?

Von einem Preisfehler spricht man, wenn der angegebene Angebotspreis im Shopsystem für ein bestimmtes Produkt unverhältnismäßig günstig ist. Hier hat sich also ein Fehler eingeschlichen, der entweder durch ein technisches Problem oder durch menschliches versagen entstanden ist. Jedem von uns dürfte recht schnell klar werden, dass z.B. bei einem Notebook für 1,00 € oder bei einem 60 Zoll LED-Fernseher für 99,00 € im Normalfall etwas falsch gelaufen sein dürfte, da hier die normalen Verkaufspreise um ein vielfaches höher liegen. Ein normales Schnäppchen oder ein normaler Rabatt wird bei einem Preisfehler klar übertrumpft. Es handelt sich fast schon um einen Gratis Artikel.

Trotzdem gehen viele das „Risiko“ einer Bestellung ein in der Hoffnung den Artikel doch noch zu dem Preis vom Verkäufer zu erhalten. Leider ist das aber meist nicht der Fall und man erhält, sobald der Fehler auffällt eine Mail oder einen Brief in dem die Bestellung vom Händler storniert wird. Manchmal, aber wirklich nur manchmal, hat man allerdings das Glück, dass man die Ware doch zum absoluten Hammerpreis erhält. Da das allerdings sehr selten vorkommt, sollte man erst mal nicht wirklich damit rechnen und auch nicht enttäuscht sein, wenn es dann doch nichts mit dem Super Schnäppchen wird.

Wir selbst haben unser Glück natürlich auch bereits viele Male herausgefordert und hatten auch schon das ein oder andere Mal einen Treffer. In den allermeisten Fällen wurde aber leider nichts daraus.

Gibt es einen Anspruch auf eine Lieferung bei einem Preisfehler?

Preisfehler ? PNY GeForce GTX 780 TI 3072MB GDDR5 PCI-E Dual DVI Grafikkarte

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Welches Recht habt Ihr als Käufer bei solch einem Preisfehler? Um es kurz und schmerzlos zu machen: Ihr habt im Normalfall leider kein Recht darauf, die bestellte Ware vom Verkäufer zu erhalten. Das dürfte zwar den ein oder anderen ziemlich enttäuschen, ist auf der anderen Seite aber irgendwie nachvollziehbar, da dem Händler dadurch ein extrem Schaden entstehen würde.

Ein rechtsverbindlicher Vertrag kommt erst dann zustande, wenn beide Parteien (also Käufer und auch der Verkäufer) zwei übereinstimmende Willenserklärungen abgeben. Das ganze nennt sich Angebot und Annahme und gilt auch bei Onlinebestellungen im Netz.

Nun könnte man auch denken: der Onlineshop bietet mir eine bestimmte Ware zu einem bestimmten Preis an (Angebot) und ich nehme dieses Angebot mit meiner Bestellung automatisch an (Annahme) und habe somit auch einen Anspruch auf die Lieferung. Leider ist das aber nicht der Fall da die Shops i.d.R. nur eine „Aufforderung zur Abgabe eines Angebotes“ einstellen. Das wiederum bedeutet, dass nicht der Händler ein Angebot abgibt, sondern Euch bittet dies zu tun. Das Ganze nennt sich im Amtsdeutsch „invitatio ad offerendum“ und funktioniert genau so auch im „echten Leben“ in der offline Welt. Auch hier muss z.B. die Kassiererin eines Geschäftes Euren Kauf nicht annehmen wenn für sie erkennbar ist, dass es sich um einen Preisfehler handelt. Sollte also die Scannerkasse anzeigen, dass das Kilo leckeres argentinisches Steakfleisch nur 0,99 € kosten soll, muss sie es euch es nicht zu diesem Preis verkaufen.

Das bedeutet letztendlich, dass Ihr ein Angebot abgebt und der Verkäufer danach entscheidet, ob er es annimmt möchte oder auch nicht. Da diese Annahme meist erst durch den Versand der Ware erfolgt, haben die meist automatisch erstellten Bestätigungsmails über den Eingang Eurer Bestellung keine rechtliche Bedeutung. Somit wird der Onlinehändler Euer Angebot bei einem Preisfehler auch meist nicht annehmen und die Ware auch nicht versenden da kein rechtsverbindlicher Vertrag zustande gekommen ist. Ihr habt hier als Kunde somit auch keinen Anspruch auf eine Lieferung.

Ausnahmen

Die einzige Ausnahme liegt vor, wenn Ihr als Kunde vom Verkäufer tatsächlich eine Bestätigung über die Annahme Eurer Bestellung erhaltet. Da dies allerdings meist nicht passiert, ist die Chance hierbei eher schlecht. Im Normalfall erhaltet Ihr bloß eine Bestätigung über den Eingang der Bestellung. Es kommt also auf den genauen Wortlaut der bei Euch eingegangenen E-Mail an.

Aber selbst dann hat der Händler durchaus noch die Möglichkeit den Kaufvertrag nach § 119 BGB wegen eines Erklärungsirrtums anzufechten. Nämlich dann, wenn er sich bei der Preisangabe vertippt bzw. verschrieben hat oder es sich um einen Fehler der eingesetzten Software handelt.

Hierfür muss er aber unverzüglich und ohne schuldhaftes Zögern handeln. Was darunter aber genau zu verstehen ist, wurde nicht festgelegt und hängt vom Einzelfall ab. Sollte er also erst nach einigen Wochen reagieren, ist das sicherlich als zu lange anzusehen und Eure Aussichten steigen.

Schadensersatz wegen entstandenen Vertrauensschadens?

Theoretisch könntet Ihr als Kunde dann aber auch noch einen Schadensersatz geltend machen, da Ihr dem eingegangenen Vertrag vertraut habt. Da dieser nun allerdings nicht zustande kommt, da der Händler ihn angefechtet hat und er dadurch Euer Vertrauen zerstört hat, müsstet Ihr nun den Artikel woanders zu einem höheren Preis käuflich erwerben. Für diese Preisdifferenz haftet der Händler. Im Amtsdeutsch nennt sich das Ganze „Vertrauensschaden“ und ist nur schwer durchzusetzen, da Ihr keinen Anspruch darauf habt wenn für Euch erkennbar ist, dass der angegebene Preis tatsächlich zu niedrig angesetzt war (z.B. bei einem Wäschetrockner für 9,00 €). Ihr seht also, dass es wirklich schwierig ist, hier die Ware auch letztendlich einzufordern. Es kommt auch hier immer auf den Einzelfall an und kann somit nicht pauschalisiert werden.

Wie sieht das bei eBay und Co aus?

Bei den beliebten Auktionsplattformen sieht das in der Regel komplett anders aus. Hier gibt der Versteigerer das generelle Angebot ab, die angebotene Ware bei Auktionsende an den Höchstbieter zu verkaufen. Der Ersteigerer nimmt also mit Gebotsabgabe das Angebot des Verkäufers an. Sobald die Auktion endet, wird somit automatisch ein Vertrag zwischen den beiden Parteien geschlossen. Dieses gilt selbstverständlich auch für die beliebten Sofortkauf Angebote und nicht nur bei Auktionen. Hier hat man also als Käufer gute Chancen an seine Ware zu kommen, da hier auch kein vertippen oder verschreiben geltend gemacht werden kann. Somit kann auch nichts von Verkäuferseite angefechtet werden.

Wie entstehen solche Preisfehler überhaupt?

Album von James Arthur als MP3 Download für nur 0,69 Euro

Preisfehler ? Album von James Arthur als MP3 Download für nur 0,69 Euro

Wie oben bereits erwähnt sind es meist menschliche Eingabefehler. Hier wird sich schlichtweg vertippt bzw. verschrieben. Allerdings werden hin und wieder solchen Preisfehler wohl auch ganz bewusst als Marketingmaßnahmen von Händlern missbraucht. Bei dem Album von James Arthur als MP3 Download für nur 0,69 Euro hatten wir den Eindruck, dass es sich um einen absichtlichen Preisfehler handelte. In der Vergangenheit wurde beobachtet, dass bestimmte Verkäufer immer wieder regelmäßig solche Angebote einstreuten in der Hoffnung, dass möglichst viele Seiten im Netz darüber berichten und der Shop einen größeren Zulauf erhält. Nach unserer Meinung wirklich sehr unseriös und den Kunden gegenüber mehr als unfair. Allerdings hat sich der gewünschte Erfolg der Shopbetreiber wohl nicht eingestellt und somit sind solche Deals aktuell kaum mehr zu erkennen.

Aber es gab und gibt auch immer wieder Fehler, die durch das eingesetzte Shopsystem verursacht werden. Da die Preise oft automatisiert eingepflegt werden, kommt es hier immer wieder zu ärgerlichen Fehlern.

Auch Gutscheine führen zu Preisfehlern

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit an Preisfehler zu kommen. Eigentlich sind es keine richtigen Preisfehler, sondern eher Gutschein Fehler. Es kommt relativ oft vor, das bestimmte Gutscheine für eine Produktkategorie gesperrt sind und trotzdem funktionieren. Wir haben in einigen Beiträgen darauf hingewiesen, dass Gutscheine zu Preisfehlern führen. Aber auch hier kommt ein rechtsverbindlicher Vertrag erst dann zustande, wenn beide Parteien (also Käufer und auch der Verkäufer) zwei übereinstimmende Willenserklärungen abgeben.

Woran kann man Preisfehler erkennen?

Es ist oft schwierig einen Preisfehler von einem guten Schnäppchen zu unterscheiden. Nur weil der Preis eines bestimmten Produktes vielleicht 50% unter dem nächstbesten Preis laut Idealo und Co. liegt, bedeutet das noch lange nicht, dass es sich hier um einen Fehler handeln muss.

Es hängt sicherlich vom Artikel ab um den es geht. So kann man mit nahezu 100%iger Sicherheit davon ausgehen, dass man bei einer Ersparnis von 50% bei einem aktuellen 2016 / 2017 Apple Smartphone von einem Preisfehler ausgehen kann. Hier ist man in der Regel eher froh wenn man rund 10% sparen kann. Bei anderen Kategorien ist das aber meist nicht so einfach zu erkennen. Bei Klamotten oder Uhren z.B. kommt es relativ oft vor, dass z.B. Vorjahresmodelle plötzlich bei einem Händler ganz regulär plötzlich sehr günstig angeboten werden.

Einfach ist es meist, wenn ein sonst eher teures Produkt für ganz kleines Geld angeboten wird (ein paar Cent oder ein max. ein paar Euro). Wenn aber als Beispiel eine hochwertige Grafikkarte für rund 400,- € angeboten wird und die Preise sonst bei mind. 700,- € liegen ist es selbst für uns schwer zwischen einem Schnappen und einem Preisfehler zu unterscheiden. Beides ist durchaus denkbar und man sollte es als Kunde ruhig versuchen: entweder man hat tatsächlich einen tollen Deal ergattert und spart hier mehrere Hundert Euro oder man erhält im Zweifelsfall eine Storno-Mail vom Verkäufer. Hier sollte man sich dann aber nicht ärgern und sich sagen „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“.

Über welche Preisfehler haben wir berichtet?

Wie eben schon berichtet, kann man Preisfehler nicht immer eindeutig von Schnäppchen, Gutschein Fehlern oder Rabatten unterscheiden. Wir haben schon über eine Vielzahl von Preisfehlern berichtet. Gerade diese Schnäppchen sind interessant.

Hier ein paar gute Beiträge:

Bei Amazon hat sich im Juli ein Preisfehler bei einer Samsung SDXC Pro 64GB Class 10 Speicherkarte eingeschlichen. Die Speicherkarte soll nur 25,90 Euro inkl. Versand bei einem Preisvergleich in Höhe von 50,14 Euro. Bei dem Preisunterschied in Höhe von 48,3 Prozent kann man von einem Preisfehler ausgehen.

Auch die PC Games hatten ware Freude an dem Amazon Preisfehler für eine PNY GeForce GTX 780 TI 3072MB GDDR5 PCI-E Dual DVI Grafikkarte für 335,83 €. Der Angebotspreis ist zwar ordentlich, aber der Vergleichspreis lag bei stolzen 616,71 Euro. Leider gab es von Amazon eine Stornomail.

Ein weiteres tolles Schnäppchen ist eine Leco 39270103 Sonnenliege Komfort für nur noch 98,77 € gewesen. Der Vergleichspreis lag bei stolzen 359,90 Euro. Hier hat Amazon allerdings geliefert.

Beispiel für einen Preisfehler

Beispiel für einen Preisfehler

Fazit zum Thema Preisfehler

Ihr seht an unseren Beispielen, dass Ihr bei einem Preisfehler auch richtige Schnäppchen machen könnt. Also Preisfehler ansehen und eine Bestellung ausprobieren und Euch über den fetten Rabatt freuen, wenn der Händler tatsächlich liefert. Wir berichten über Preisfehler nicht nur auf unserer Webseite, sondern auch gerade bei Facebook. Dort gibt es dann auch viele interessante Kommentare zum Thema.

Preisfehler im Onlineshop: Wie sieht Euer Recht bei Preisfehlern aus?

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